Mitten im Dorfkern des alten Hegaudorfes Bietingen steht ein wehrhafter Turm mit einer im neuzeitlichen Stil angebauten Kirche. Was gibt es über diese Kirche zu berichten?
Bis zur Reformation war Bietingen eine Filiale der Mutterkirche Thayngen (Schweiz). Dann trennte sich Bietingen und blieb mit seiner Kapelle dem katholischen Glauben treu.
Die Kapelle muss im 13. Jahrhundert gebaut worden sein, denn die kleine Glocke mit den gotischen Majuskeln und der Umschrift "Maria hilf, Maria hilf' wird von Sachverständigen in diese Zeit datiert.

Quelle: JG
Vom Bischof zu Konstanz wurde den Herren von Hornstein das Patronatsrecht übertragen mit der Baupflicht für ein Pfarrhaus.
Die Zahl der Gläubigen machte bereits 1777 eine Erweiterung der Pfarrkirche notwendig; sie wurde am 29. August 1779 vom Dompropst von Hornstein, Konstanz, eingeweiht. Im Louis-XVI-Stil wurden zu dieser Zeit von zwei Adeligen die beiden Seitenaltäre gebaut; die Stifter wurden neben den Altären beerdigt, wie zwei Epitaphien bezeugen.

Quelle: SE
Die Platzfrage wurde aber besonders durch die italienischen Besucher von Thayngen dann wieder problematischer, so dass sich am Anfang des 20. Jahrhunderts die Überlegung für einen Kirchenneubau auftat. In dieser Situation war es der langjährige Pfarrer Hermann Hermle (1901-1937), der mit ausgeprägten handwerklichen Fähigkeiten erste Vorbereitungen traf. Er produzierte im Keller des Pfarrhauses zentnerschwere Bausteine und stapelte diese hinter der Kirche auf. Den geplanten Neubau sollte er aber nicht erleben.
Sein Nachfolger, Pfarrer Wilhelm Mahler (1937-1959) griff dieses Vorhaben bald wieder auf, konnte jedoch erst nach dem Krieg an die Verwirklichung denken.
Unter dem beispielhaften Einsatz von Pfarrer Mahler wurde im Mai 1955 mit dem Abbruch der alten Kirche mit zahlreichen Männern begonnen. Der Turm und die Seitenaltäre - beide stehen unter Denkmalschutz - blieben erhalten.
Die Grundsteinlegung für die neue Kirche erfolgte schon am 24. Juli 1955 und die Fertigstellung im Sommer 1956. Durch Bischof Augustin Olbert war die Einweihung am 22. September 1957.
Kirchenpatron ist St. Gallus, Nebenpatrone sind St. Nikolaus von der Flüe und der Selige Bernhard von Baden.
Über mehrere Jahre haben die Pfarrangehörigen finanziell das DM 250.000,- kostende Bauwerk nachhaltig unterstützt.
Abschließend noch ein Beitrag zu den Kirchenglocken:

Quelle: JG
Nach dem Tode des Stifters wurde die Pfarrei durch Vertretungen betreut. Ab 1987 übernahmen die Gottmadinger Pfarrer die Betreuung der St.-Gallus-Pfarrei mit Unterstützung von Diakon Eduard Klein, der im Bietinger Pfarrhaus seinen Wohnsitz nahm.
Text: Ottmar Bilger
Fotos: aus dem Bilderarchiv von Herbert Schwarz
